2 Jahre Chinesisch zum Hieressen

 
12Februar
2014

Oktober 2013

Oder

Die nicht ganz so verbotene Stadt

 

 

Beijing… Beijing ist eine der wenigen chinesischen Städte, die noch im Deutschen noch ihren urdeutschen Namen behalten haben. Schanghai heißt nun Shanghai, Nanking heißt nun Nanjing, nur Peking bleibt Peking. Dabei kommt der Name Beijing nicht aus dem Englischen, sonder ist die chinesische Lautschrift in lateinischen Buchstaben für 北京, dem tatsächlichen Namen der Hauptstadt Chinas.

                Ich für meinen Teil werde Beijing nicht Peking, sondern Beijing nennen und wenn ich ganz lustig bin sogar 北京, damit Ihr mich nicht versteht. Das einzige Wort in der deutschen Sprache, welches absolut zu Recht die alte Schreibweise einer chinesischen Stadt verwendet, ist das Schanghaien. Schanghaien ist das Rekrutieren von Seeleuten nach dem ein Schiff gekapert wurde. Die Besatzung des gekaperten Schiffs hatte die Wahl sich den Siegern anzuschließen, oder getötet zu werden. Schanghaien ist somit ein eigenständiges deutsches Wort welches nur noch durch seine Herkunft eine Verbindung mit einem tatsächlichen chinesischen Wort hat.

                Auch für andere chinesische Wörter werde ich meistens nicht die chinesischen Zeichen schreiben, sondern die Lautschrift mit lateinischen Buchstaben. Dieses sogenannte Pinyin (welches jetzt hier selbst in Pinyin geschrieben ist) halte ich für weitaus Leserfreundlicher als echte chinesische Zeichen, auch wenn das Chinesisch dadurch ein bisschen seine Magie und Faszination verliert.

 

Also Beijing… Wir sind von Nantong nach Beijing im Schlafwagen gefahren und zwar knapp 1100km. Mit vier Betten pro Abteil hatten Tingting und ich uns selbiges mit einem älteren Herren, der Lehrer war, und einem jungen Erwachsenen meines Alters geteilt. Die Fahrt war lang, verlief aber reibungslos und so ernährten wir uns zwölf Stunden lang von Tütennudeln und Oreo Keksen. Die Betten waren wie alle chinesischen Betten ziemlich hart und wie ich ebenfalls erwartet hatte ziemlich schmal und kurz, ganz im Gegensatz zu meiner Physionomie, die weder schmal noch kurz ist. Einzig und allein meine Fähigkeit überall zu schlafen rettete mir erneut die Nachtruhe.

                Das Wetter war in Beijing merklich kälter und auch ein unbekannter Geruch lag zwar subtil doch permanent in der Luft. Es war der berühmt berüchtigte Smog. Der Himmel war durchgehend trüb und „schmeckte“ schon fast nach Staub und Straße. Erfreulicher Weiße war das Wetter nicht das Einzige was uns empfing, sondern auch mein alter Klassenkamerad aus der Ausbildungszeit in Hannover. Wir konnten uns so das Hotel und Kosten sparen, weil wir in seiner WG unterkamen.

 

Der erste Tag in Beijing war einem kleinen Spaziergang im Park gewidmet. Dieser wurde jedoch von Ausländern und Chinesen gleichermaßen überschwemmt. Die Erste Oktober ist Nationalfeiertag in China und viele Menschen kriegen eine Woche frei. Und wo reist man gern im eigenen Land hin? Genau! In die Hauptstadt. Hier atmet man fast den Hauch der großen chinesischen Vergangenheit und Historie ein (und auch viel Smog). Beijing ist somit ein beliebtes Reiseziel durch und durch. So schlängelten wir uns durch Horden von inländischen und ausländischen Touristen, wobei wir genau solche waren.

                Der zweite Tag in der Verbotenen Stadt und dem Kaiserlichen Palast war nicht besser. Auch hier gab es viel zu viele Menschen für meinen Geschmack. Doch auch mit diesen Massen war der Anblick umwerfend. Treppen, Statuen, Reliefs, Gebäude, Mauern und allen voran die gelben Dachziegel spiegelten die Macht des Kaisers wieder, denn einzig und allein dem Kaiser waren gelbe Dachziegel vorbehalten. Auch wenn der Eindruck derselbe geblieben ist, verboten ist die Verbotene Stadt schon lange nicht mehr. Dafür ist der finanzielle Erfolg zu groß und mit umgerechnet 10 Euro pro Eintrittskarte auch teuer für chinesische Verhältnisse. Wenn man es sich recht überlegt ist die Verbotene Stadt noch nicht mal eine richtige Stadt, sondern eher ein großer, ausgedehnter Palast. Ganz persönlich finde ich hier den Namen irreführend.

                Am dritten Tag war die Große Chinesische Mauer dran. Und im Gegensatz zur Verbotenen Stadt ist klar was man bekommt. Die Große Chinesische Mauer ist groß, chinesisch und eine Mauer. Der Abschnitt, den wir besichtigten, war wenig frequentiert und aufgrund dessen waren wir auf weite Strecken die einzigen Menschen auf der Mauer. Zweifelsohne beeindruckend wie das zweitlängste Bauwerk der Welt sich zwischen den Bergen hindurchschlängelt, hebt und senkt und dem Besucher ein gewisses Maß an körperlicher Fitness abverlangt. Man möge sich nur vorstellen, dass während der militärischen Nutzung der Mauer, deren Erfolg eher fraglich ist, Soldaten mit schweren Rüstungen und Waffen hier patrouillierten. Dafür hat der heutige Tourist mit Smogschwaden zu kämpfen, die von Beijing herüberziehen.

                Falls man weniger Glück mit den Menschenmassen an der Mauer hat, ist es zu empfehlen, sich möglichst hoch durchzukämpfen. Je mehr Anstrengungen man auf sich nimmt, desto mehr Menschen lässt man auch hinter sich. Auch sollte man darauf gefasst sein, dass möglicherweise ein Wachturm als Abort missbraucht wurde. Keine schöne Erfahrung, aber es gibt einen gewissen Grad an Verschmutzung an allen möglichen und unmöglichen Stellen und das nicht nur an der Mauer. In China wird Umweltverschmutzung nicht gerade kleingeschrieben. Dabei sind sogar in einigen Wachhäuschen Toiletten eingerichtet.

 

Alles in allem hatte mir Beijing aber gefallen und für einen Urlaub ist es allemal sehr schön. Aufgrund der Luft und des Klimas würde ich jedoch nicht gerne dort leben wollen. Tingting und ich sagten Beijing auf Wiedersehen und fuhren mit dem Schnellzug zurück nach Shanghai. Man merkte durch den Kontrast erneut, dass die Luft in Beijing sehr trocken und in Shanghai sehr feucht ist. Und in der kommenden Woche wurde sie noch ungleich feuchter. Ein Taifun zog über Shanghai hinweg und brachte nicht gekannte Regenschauer. Der Campus stand teilweise schienbeinhoch Unterwasser. Obwohl einige Vorlesungen ausfielen ging das alltägliche Leben teilnahmslos weiter. Eine der kurioseren Sachen war es, dass Busse einfach mit einer Ladung Wasser herumfuhren.  Unsere Wohnung war glücklicher Weise im 1. Stock und dort haben wir alles ausgesessen. Nach nur drei Tagen war die Sintflut wieder vorbei. Die wirklichen schlimmen Wetterphänomene sollten erst noch kommen.

03November
2013

September 2013

Oder

Der Lindwurmschlächter im zweiten Heim

 

 

Tingting hatte schon eine Stunde auf mich gewartet, als ich sie endlich in meine Arme schließen konnte. Ich habe diesen Moment so entgegen gesehnt. Wie geplant war es Mitternacht und wir nächtigten in einem Hotel bevor wir die Weiterreise antraten.

                Uns blieb noch eine Woche bevor das Semester anfing und die wollten wir bei Tingting zuhause verbringen. Dorthin zu gelangen war aber auch eine kleine Weltreise. Vom Hotel nahmen wir ein Taxi zum Shanghaier Busbahnhof, um von dort aus die Fahrt mit dem Fernbus anzutreten. Die Nutzung von Fernbussen für interstädtische Reisen ist in China weit mehr verbreitet als in Deutschland. Warum sollte man Straßen und Schienen an denselben Ort verlegen, wenn eines von beiden reicht? Allgemein kann gesagt werden, dass die Infrastruktur an der Ostküste mehr als ausreichend ausgebaut ist; Und das, obwohl die erste Autobahn in China vor kaum vierzig Jahren fertiggestellt wurde.

                Die Busfahrt von Shanghai nach Nantong dauert circa drei Stunden, abhängig von dem Verkehrsaufkommen. In Nantong angekommen wurden wir von Tingtings Vater abgeholt. Erneut sitzen lautete die Devise, eine weitere Stunde im Auto.

 

Die Gegend um das Haus herum ist sehr ländlich, aber auch nicht am Arsch der W… komplett abgeschieden. Andere Häuser reihen sich an den neubefestigten Feldweg, welche teilweise schlichter und einfacher sind, teilweise dem Haus meiner Freundin ähneln. Das Haus selbst ist zweistöckig mit Dachboden, von außen weiß und grau gefliest und mit dunkelrotem Dach. Die schlichten Säulen am Eingang und das unerklärliche Geländer um das Dach herum verleihen dem Haus einen leichten Anflug von Protz. Rechts neben dem Eingang geht im Neunziggradwinkel ein weiteres einstöckiges Gebäude ab, in dem die Großeltern leben.

                In Feldern aus Erdnüssen, Bohnen und Reis eingebettet ist die Landschaft hier sehr idyllisch. Hühner und Hunde laufen einem andauernd über den Weg und manchmal können sogar Ziegen gesehen werden. Wobei die Hunde natürlich Haustiere sind und nicht zum Essen gedacht. Dass in China es üblich ist, Hunde zu essen, ist ein hartnäckiges Gerücht, welches leider noch viel zu viele Deutsche glauben. Auch Tingtings Familie hat einen Hund und zwar einen einjährigen Border Collie. Für dieses Energiebündel bin ich schon innerhalb eines Monats guter Freund und größte Respektperson geworden.

                Nicht nur der Hund, sonder viel wichtiger, auch die Eltern und Großeltern mögen mich bereits. Allein schon durch Essen und Trinken kann viel erreicht werden und auch in China gilt: Liebe geht durch den Magen. Ich schlafe in Tingtings Zimmer im ersten Stock und Tingting schläft im Gästezimmer im Erdgeschoss; Damit die Liebe, die durch den Magen geht, erst einmal die einzige Liebe bleibt. Alles lief gut bis ich auf einmal einen Schrei von unten hörte.

 

Ganz klar war das meine Freundin, die von Unten schrie. Ich eilte die Treppe herunter und sah wie meine Freundin in dem Gästezimmer auf einem Stuhl stand und auf meinen Koffer zeigte. Ich nahm den Koffer hoch und ein mindestens zwölf Zentimeter langer Hundertfüßer schoss hervor und schlängelte sich hinter den Nachtschrank. Ich erschrak mich nicht schlecht, so einen großen Gliederfüßer hatte ich vorher nur hinter Glas gesehen. Das Untier war hinter dem Nachtschrank weit genug entfernt, sodass Tingting mich nun mit einer Schere bewaffnete. Langsam ging ich zu dem Schränkchen und warf einen Blick dahinter. Der Schlitz war zu klein! Ich musste den Nachtschrank etwas nach Vorne ziehen, um diesen elenden Lindwurm zu erreichen.

               Vielleicht spürte es mein Vorhaben, vielleicht aber nur die Bewegung des Schrankes, jedoch schnellte es erneut hervor und tänzelte flink über die weißen Fliesen. Ich stampfte auf! Einmal! Daneben! Zweimal! Daneben! Beim dritten Mal begrub ich den Hinterleib unter dem Gummi meiner Schuhsohle. Deutsche Insekten hätten schon längst aufgegeben, doch dieser vielbeinige Schrecken fing jetzt erst an. Er krümmte sich mit seinem Vorderleib nach hinten und trieb seine Mandibeln in den Kork meines Hausschuhs um sein Gift hineinzupumpen. Voller Panik fuhr ich aus dem Schuh, welches der Hundertfüßer auch gleich nutzte um sich unter dem Schuh hervorzuwinden.

               Ich nahm meinen Schuh in die noch freie Hand und schlug auf den Lindwurm hernieder. Immer wieder donnerte meine Sohle auf den mit Chitin gepanzerten Körper. Doch fug ich dem Viech kein Leid zu. Es verkroch sich unversehrt zurück unter meinen Koffer. Ich überstieg das Kampfgewicht dieser Bestie um das zehntausendfache, doch vermochte ich es nicht ihr leid zu zufügen. Ich bereitete mich auf den finalen Kampf vor. In der rechten Hand die Schere und in der linken den Griff des Koffers. Den Schuh hatte ich als nutzlos abgestempelt und von mir geworfen. Ich riss den Koffer hoch und in einer Bewegung trennte ich den Kopf vom Körper. Die vielen Glieder, die vielen Beine zuckten und zappelten noch lange, während graugrüner Körpersaft aus der Wunde spritzte und sich klebrig über die Fließen verteilte.

 

Solch geartete Tuchfühlungen mit der heimischen Tierwelt sind jedoch selten und darüber bin ich sehr froh. Da gebe ich mich doch viel lieber mit dem Hund ab, den ich Lisa taufte, da ich zu Beginn den Namen nicht aussprechen konnte. Wenn immer ich bei Tingting zuhause bin, gehe ich sowohl morgens, als auch abends mit Lisa spazieren. Wir beide genießen die Bewegung und ich lerne so die Gegend hier ein bisschen besser kennen.

                In allen Häusern an denen ich so vorbeiging gab es Strom, fließend Wasser, Telefon und in den meisten sogar Internet. Allgemein hatte ich mir die ländlichen Gebiete Chinas anders und wesentlich einfacher vorgestellt. Es gab keine Terrassenfelder mit Reis, vor den Pflug gespannte Wasserbüffel hatten mich nicht erwartet, Brunnen und Kochstellen mit offenem Feuer waren nirgends zu sehen. Obwohl ich mich eingehend mit China während meiner Ausbildung in Hannover befasst habe, hatte ich eigentlich keine Ahnung wie es tatsächlich ist.

                China ist zu groß um es zu erfassen, zu mannigfaltig um es zu verstehen und zu kontrastreich um es zu pauschalisieren.

 

Aber hier, in der Fremde, wollte ich nun für zwei Jahre bleiben und dies ging nicht ohne legale Voraussetzungen. Dies bedeutete viele Gänge zu chinesischen Ämtern und gesundheitstechnische Untersuchungen. Jene liefen natürlich etwas anders ab als erwartet: Sobald wir uns mit nackten Oberkörper in einen Bademantel geworfen hatten, mussten wir alle Tests nachhohlen, die nicht in dem deutschen Gesundheitscheck in Englisch oder Chinesisch vorlagen.  Also reihten wir (meine Kommilitonen und ich) uns in eine Art Rundkurs ein und bogen immer in die Räume ab, in denen ein bestimmter Test im Akkord verrichtet wurde. Röntgen, nächster, röntgen, nächster, röntgen, nächster.

                Die Chinesen waren mit meinem Blutbild nicht ganz zufrieden und so musste ich mir Blut abnehmen lassen. Der Raum war klein und dunkel; nur eine Lampe erleuchtete einen durchgesessenen Ledersessel. Mich bat eine junge Chinesin mit Mundschutz mich darauf niederzulassen. Der Sessel war recht bequem und ohne lang zu fackeln oder irgendetwas zu sagen steckte sie die sterile Nadel in meinen Ellbogen und begann zu zapfen. Die ganze Erfahrung war ausgesprochen schmerzfrei und ich muss gestehen, dass mir noch nie so schnell und angenehm Blut abgenommen wurde.

                Den aktualisierten  Gesundheitscheck und meinen Reisepass gaben wir dann bei der Ausländerbehörde ab und erhielten einen Ersatzpass. Mit dem Nationalfeiertag vor der Tür und keinen weiteren Behördengängen war der Weg frei, um China weiter zu erkunden. Natürlich ging es zunächst wieder nach Nantong. Und als Tingting und ich nach drei Tagen unsere Batterien aufgeladen und den Eltern, Großeltern und dem Hund auf Wiedersehen gesagt hatten, ging es von Nantong nach Beijing.

02Oktober
2013

Prolog

Oder

Nichts aus den Töpfen meiner Großmutter

 

Ich sage auf Wiedersehen. Und eile zum Schalter an dem mein Boarding-Pass überprüft wird. Weiter zum Sicherheitscheck, wo ich meinen Laptop einzeln durch den Gepäckscanner schicken muss, aus einem Grund, der sich mir noch nicht erschlossen hat. Da ich vergesse meine Armbanduhr abzunehmen, fängt der unwohnliche graue Rahmen um mich herum an zu piepen und ich werde in eine  Kabine gebeten, in der ich auf flugsicherheitsgefährdende Gegenstände überprüft werde. Nachdem ich auch noch meinen Lippenpflegestift aufgeschraubt habe, ist gewährleistet, dass ich keine weitere Gefahr darstelle. Hastig räume ich meine Sache zusammen und eile mit einem weiteren Blick auf meinen Boarding-Pass durch die Duty-Free-Abteilung zu meinem Gate. Bevor ich jedoch dort ankomme, wird mein Reisepass gecheckt. Und endlich kann ich an meinem Gate auf die schwarzen Kunstlederbänke des Hamburger Flughafens setzen, um mich etwas auszuruhen.

 

Wann habe ich mich dafür entschieden 2 Jahre in China zu verbringen? Als ich den Flyer für diesen wahnwitzigen Studiengang ahnungslos in meinen Händen hielt? Als ich mit der vorrausgehenden Ausbildung in Hannover angefangen habe? Als ich mich impfen ließ und das Visum beantragte? Spätestens jetzt, wenn ich dieses Flugzeug besteige!

 

Schon wird zum Boarding gerufen und ich eile mit meinen letzten Schritten auf deutschem Boden zu meinem Sitzplatz. Glücklicher Weise befindet sich dieser in der ersten Reihe des Abteils und ich kann uneingeschränkte Beinfreiheit genießen. Schon beginnt nach der obligatorischen Sicherheitseinweisung das Flugzeug an zu rollen und hebt ab, in den Nachthimmel gen Osten. Anscheinend hat mir der Abschied von meiner Familie mehr ausgemacht als erwartet, denn ich kriege nicht den kleinsten Bissen von meinem Bordmenübausatz runter. In meine Decke gewickelt falle ich in einen dumpfen, traumlosen Schlaf.

 

Dem Leser sei versichert, dass mir selbst der Zusammenhang der Ereigniskette, welche zu diesem Flug geführt hat, genauso unklar ist wie ihm. Das einzige Vorrausgehende Geschehnis, bei dem ich China thematisch tangierte, war der Geschichtsleistungskurs im Abitur auf der Waldorfschule. Sowohl im Zivildienst in einer Großküche eines Kinderkrankenhauses, als auch bei der Vorbereitung auf ein Designstudium hatte ich keinen Kontakt mit diesem Themenbereich. Den Gedanken an Letzteres gab ich auf, da ich keine Zukunft für mich in einem Designstudium sah.

 

Schon liegt Dubai direkt voraus und ein Hunger macht mir das lösen vom Schlaf leicht. Zu meinem eigenen Glück hatte ich ein winziges Baguette von der Größe meines Daumens und ein Plastikschälchen mit süßscharfem Dipp zur Seite gelegt. Bis zur Landung vergeht die Zeit nun wie im Flug (Haha, Wortspiel).

            Der Flughafen von Dubai empfängt mich mit seiner heißen, trockenen Luft und einem kleinem Marsch zum nächsten Sicherheitscheck. Die Dimensionen dieses Verkehrsknotenpunktes sind einfach nur gewaltig und ich muss die Einschienenbahn zu meinem Gate nehmen. Eine solch große Duty-Free-Abteilung habe ich noch nie gesehen; In welcher ich bemerke, dass ich meinen zweiten Boarding-Pass verloren habe und  nun auf der Suche nach einem Schalter bin, der mir weiterhelfen kann. Ohne Problem bekomme ich einen neuen Boarding-Pass, putze mir die Zähne und mache es mir auf einer Bank in diesem Tempel des steuerfreien Einkaufens bequem.

 

Als ich meine vorrausgehende Ausbildung in Hannover abgeschlossen hatte, wurde ich staatlich geprüfter kaufmännischer Assistent für Fremdsprache und Korrespondenz. Diese zweijährige schulische Berufsausbildung ging dem zukünftigen Studium voraus und wird mir als ein Jahr Studium angerechnet. Das heißt, dass ich nun direkt ins dritte Semester einsteigen werde. Das bedeutet somit folglich, dass ich nur noch 2 Jahre in China studieren werde, die für diesen Blog auch namensgebend sind.

 

Schon verlasse ich die Vereinigten Arabischen Emirate und vor mit liegen 9 Stunden Flug nach Shanghai. Erneut wird mir das Vergnügen zu Teil, dass ich in der ersten Reihe des Abteils sitzen darf. Wenigstens kann ich so gut einschlafen.

            9 Stunden im Flugzeug sind kein leichtes Unterfangen. Ab und zu sollte man Fußgymnastik betreiben und auf jeden Fall ausreichend trinken. Mir persönlich trocknen die Lippen immer schnell aus (daher auch der gefährliche Lippenpflegestift früher in diesem Kapitel). Solch lange Reisen fallen mir jedoch leichter als anderen Menschen, da ich unter allen möglichen und unmöglichen Situationen schlafen kann. In den nächsten Stunden hangele ich mich von Nickerchen zu Nickerchen, nur unterbrochen von B-Movies aus dem Unterhaltungssystem.

 

Ich bin jetzt aus meinem Elternhaus ausgezogen und es ist nicht vorgesehen, wieder einzuziehen. In der Garage lag schon ein ganzes Set von Töpfen bereit, die mir von meiner Großmutter vermacht wurden, um mich in der Zukunft selbst versorgen zu können. Meinen Beschränkungen bezüglich Größe und Gewicht meines Gepäcks ist nun verschuldet, dass diese hochqualitativen Töpfe in Deutschland zurückgelassen werden müssen. Anscheinend bleibt mir nichts Anderes übrig, als in die chinesische Küche einzutauchen.

            Während meiner Ausbildung in Hannover bin ich schon zweimal nach China gereist. Sowohl die Kultur als auch die Küche sind mir nicht fremd. Ein Vorteil, wenn man so lange in China bleiben und sich einer Herausforderungen stellen möchte, der ich mich gewachsen fühle.

 

Es ist Mitternacht in Shanghai, als ich zwischen den Lichtern dieser Metropole lande, deren Einwohnerzahl die Hannovers lediglich um das vierzigfache übersteigt. Nun brennt es mir unter den Sohlen, ohne zu wissen, ob es tatsächlicher Schmerz ist, da ich seit 32 Stunden nicht mehr gelegen habe, oder nur freudige Erwartung. Ich eile aus dem Flugzeug und die Gänge dieses riesigen Flughafens hinunter zu der Passkontrolle. Bereits jetzt werde ich eine halbe Stunde warten müssen und ich merke wie ich leicht darüber verärgert bin, dass nur drei Personen hier sitzen um die einreisenden Ausländer abzufertigen. Natürlich ist es Mitternacht.

            Ich bin erleichtert, weil mit mir, meinem Pass und jedweden anderen Gegebenheiten alles in Ordnung scheint. Schnell zum Kofferkarussell und durch den Zoll, bevor ich von kleinen Armen in Empfang genommen werde.

26März
2013

Herzlich Willkommen

Vielleicht verirrt sich schon jemand hierher...

 

Ich werde ab September am ersten jeden Monats meine Erfahrungsberichte aus China hier hochladen und diese mit ein paar kleinen Hintergrundinformationen garnieren.

 

Euer Jan